Montag, 29. November 2010

Keramik und eine Überraschung...


Heute durfte ich nach einem anstrengenden Arbeitstag noch am Keramik-Kurs teilnehmen. Tadas, ein junger, sehr sympathischer Kunstlehrer, bastelt mit den Kindern aus Ton die verschiedensten Sachen: Sparschweine, Tassen, Kunstobjekte,...




Im Hausflur hat mich heute früh auch eine Überraschung erwartet. Das Treppenhaus des Plattenbaus, in dem ich wohne, ist nämlich ziemlich grau, eben noch richtig sowjetisch. Es gibt auch nicht mal Namensschilder an den Briefkästen und Türen, nur Nummern. Deswegen hab ich damit begonnen an meiner Tür und an der Wand ein paar bunte Postkarten zu befestigen. Und heute früh war plötzlich noch eine neue Postkarte da, die nicht von mir war... :)

Freitag, 26. November 2010

Wieder da




Vieles hat sich verändert in der Zeit, als ich in Deutschland war. Einige Häuser sind wunderschön bunt geworden (Fotos folgen), an anderen wird noch gebaut. Einige Mütter arbeiten jetzt in anderen Häusern. Und die ersten Schneeflocken sind gefallen.
Ich habe diese Woche in Haus 3 bei den Hausaufgaben geholfen. Almantas und Valentinas mussten ein Gedicht auswendig lernen. Ich war erstaunt, wie schnell sie die 8 Strophen draufhatten.
Mit Vaidotas sind Anne und ich zum Optiker gefahren. Vaidotas sieht auf einem Auge schlechter und braucht deshalb eine neue Brille.
Auch habe ich zum ersten Mal die Bibliothek unseres Kinderdorfes entdeckt. Erstaunlich, was es dort alles an Büchern gibt.
Nächste Woche werden wir noch einige Weihnachtsgeschenke für die Kinder besorgen…

Montag, 8. November 2010

Kleiderspenden

Bei meinen Vorträgen bin ich einige Male gefragt worden, ob unser Kinderdorf auch Kleiderspenden gebrauchen könnte. Die Kinder in Marijampolė würden sich sehr über eine solche Spende freuen, da das Geld wirklich knapp ist!
Wenn Sie uns mit gebrauchter, aber noch brauchbarer Kleidung unterstützen wollen, senden Sie die Sachen am besten einfach in einem Paket mit der Deutschen Post/DHL (bei anderen Versanddienstleistern kommt es häufiger vor, dass Pakete nicht bei uns ankommen) an folgende Adresse:

Marijampolės Vaiko Tėviškės Namai,
už Anne Weigel
Avikilai km, Liudvinavo sen.,
69168 Marijampolė, Litauen/Lietuva



Leider muss ich aufgrund von Krankheit noch bis Mitte November in Deutschland bleiben. Ich hoffe aber, dass ich rasch wieder gesund werde und Weihnachten wieder im Kinderdorf verbringen kann.

Montag, 4. Oktober 2010

Endlich mal wieder...

Aufgrund von Krankheit, technischen Problemen und vielen anderen Dingen, die ich hier zu tun hatte und habe konnte ich leider länger keinen Blogartikel mehr schreiben.
Auch jetzt gerade fehlt mir eigentlich die Zeit, da ich mit den Vorbereitungen für meine Deutschland-Reise beschäftigt bin...
Am 26.10. werde ich im Gemeindezentrum Pirna Sonnenstein 19.00 Uhr einen kleinen Vortrag über meine Arbeit hier halten. Herzliche Einladung dazu!

Postkarten und Planschvergnügen




Unglaublich viel habe ich in den letzten Tagen erlebt, nur ein klein wenig davon kann ich euch hier in Wort und Bild mitteilen. Der Besuch aus Deutschland war da und ist wieder gefahren. Die Zeit war leider sehr kurz, sodass ich nur einige der Paten und Freunde des Kinderdorfes näher kennenlernen konnte.
Am Dienstag, Donnerstag und Freitag habe ich mit den Kindern Postkarten gebastelt. Den Kindern hat es riesigen Spaß gemacht, die Postkarten zu basteln und sich dann ein Land auszusuchen, in welches die Postkarte fliegen soll. Wir wollen nämlich großen und kleinen Kindern auf der ganzen Welt Postkarten schicken... Allerdings brauchen wir dafür noch eine ganze Menge Adressen, die ich noch sammeln muss. Also, wenn DU grade irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs bist, mit Kindern zu tun hast und dich über eine Postkarte freuen würdest- und am besten dann auch eine Postkarte zurück schicken würdest- dann schreib mir einfach mal deine Adresse! :)

Ich hab aber auch gemerkt, dass ich allein nicht in der Lage bin, 10 Kinder anzuleiten, die mir zwar immer Fragen stellen, welche ich aber leider nur zur Hälfte oder nicht verstehe... Zum Glück hat mir Arturas beim dritten Mal geholfen. Und auch einige größere Kinder haben nach einiger Zeit den kleineren geholfen und sie angeleitet- darüber habe ich mich sehr gefreut. Vielleicht können sie das in Zukunft auch selbständig machen. Zwei Kinder haben auch Postkarten für ihre Eltern gebastelt.
Außerdem hat der Deutschunterricht hier im Kinderdorf angefangen. Arturas hat zwei Gruppen organisiert, eine für Anfänger und eine für Kinder, die schon in der Schule Deutsch lernen, und ich unterrichte. Ich war sehr überrascht, wie lernbereit die Kinder sind. Auch sind es nur 6 Kinder pro Gruppe, sodass man relativ gut auf einzelne eingehen kann. Ich werde versuchen, auch Spiele, Lieder und Malaufgaben mit einzubringen.
Als Deutscher bin ich hier aber auch eine gewisse Rarität und werde gern zu allen möglichen Sachen eingeladen, die irgendwie mit Deutschland zu tun haben. Ich war letzte Woche zum Beispiel in einer Dorfschule in der Nähe, die anlässlich des Tages der Europäischen Sprachen ein kleines Programm veranstaltet hat. Die Schulleiterin und die Deutschlehrerinnen, von denen eine auch bei uns im Kinderdorf arbeitet, würden mich auch gern für Deutsch-Unterricht in der Schule engagieren, aber eigentlich bin ich mit meinen Kinderdorfaktivitäten schon voll ausgelastet.
Letzten Sonntag waren viele Kinder des Dorfes in einem Nachbarort zu einer Heiligen Messe. Auf dem Rückweg haben wir auch das Grab des Monsignore besucht, welcher das Kinderdorf gegründet hat.
Die letzten drei Tage waren für mich aber auch Gelegenheit, den Alltag der Kinder aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Ich habe mit in Haus 1 gewohnt, in dem Anne, meine deutsche Ansprechpartnerin hier vor Ort, gerade übergangsweise als „Mama“ arbeitet. Das Haus ist wirklich einfach, eine Ofenheizung, im Keller außerdem Mäuse, Kröten, eine Tischtennisplatte und Duschen. Während der Woche wohnen 5 Kinder in dem Haus, am Wochenende kommen noch 6 weitere dazu. Darius und Otilie, die beiden kleinsten, sind ziemlich aktiv und brauchen immer Aufmerksamkeit. Mit Darius habe ich angefangen, regelmäßig Zähne zu putzen. Inzwischen fragt er mich fast jeden Tag dreimal, ob wir nicht Zähne putzen können… :)
Die Kinder haben aber auch Fernseher und einen Computer. Die etwas Älteren boxen auch sehr gerne. Man muss die Kinder teilweise wirklich zurückhalten, sich dauernd gegenseitig zu schlagen, aber sie sind es eben nicht anders gewöhnt.
Auch „saldainiai“ (Süßigkeiten) sind sehr beliebt. (Die litauischen Bonbons sind aber auch wirklich lecker…) Äpfel aus dem eigenen Garten haben wir auch. Ansonsten spielen wir manchmal draußen, gehen spazieren, ich lasse mir bei meinen Litauisch-Hausaufgaben helfen ;) … Das schönste war, als ich vorgestern noch bis spät abends im Büro beschäftigt war und als ich die Arbeit endlich Arbeit sein lassen konnte, die Kinder aus meinem Haus vor der Tür standen, um mich abzuholen.
Jeden Sonnabend fahre ich jetzt auch mit 8 Kindern zum Schwimmen. Da freuen die sich natürlich rießig. Das Schwimmbad ist nicht groß, nur ein Becken mit drei Bahnen, aber ein Korb für Wasser-Basketball… (davon vielleicht das nächste Mal Fotos)

Freitag, 24. September 2010

ne Menge Leben

Heute ist die erste Postkarte aus Deutschland in meinem Briefkasten gelandet- meine Großeltern waren am schnellsten… ;) Erstmal auch ein ganz großes Dankeschön an alle, die mich per Mail, jugendfest.de oder Skype kontaktiert haben! Es tut wirklich gut, zu wissen, dass ihr an mich denkt und für mich betet. Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich mal vergesse, jemandem zu antworten.
Heute gibt es mal keine Fotos, denn die Batterien meiner Kamera sind alle. Aber das macht nichts, das regt eure Fantasie an. :) Heute war ich bei Gražina, meiner Litauischlehrerin, die eigentlich Deutschlehrerin ist, zu Hause. Sie wohnt auch in einer Plattenbauwohnung. Eine sehr sympathische, ältere Frau, die viel Geduld mit mir hat.
„Marijampolė ist ein großes Dorf“, hat eine Litauerin, die ich bereits in Deutschland kennengelernt habe, gesagt. Und das stimmt auch. Außer den sozialistischen Wohnblöcken gibt es hier auch eine Menge kleiner, bunter, etwas heruntergekommener Häuser mit niedlichen Gärtchen. Vor den großen Supermärkten stehen auch immer noch kleine Händler mit ihren Buden. Zum Beispiel eine Frau, die immer da sitzt und strickt und ihre selbstgestrickten Sachen verkauft.

[Nächster Tag.] Heute war der große Tag, an dem Verena ankommen sollte. Früh um acht ruft mich Anne an, dass sich Verena auch gerne meine Wohnung anschauen würde. Das hatte ich fast schon befürchtet… Also in einer halben Stunde schnell herumliegende Sachen aufgeräumt, provisorisch staubgewischt, und ein paar Teetassen aufgestellt. Sie kam dann auch, eine sehr sympathische Frau, die sich seit 15 Jahren für das Kinderdorf engagiert. Sie erzählte mir auch vom Charisma, von der Herzlichkeit und von der Frömmigkeit des Paters Vytatutas Kazlauskas, der das Kinderdorf seinerzeit gegründet hatte, aber vor einigen Jahren in hohem Alter verstarb. Anschließend kauften wir in der Stadt noch Blumen und eine Grabkerze, denn Verena wollte auch das Grab des Monsignore besuchen. Verena weiß wahrscheinlich mehr über das Kinderdorf, als ich, aber dafür weiß ich auch ein paar Dinge aus dem Kinderdorfalltag, die Verena nicht weiß… :) Bepackt mit vielen Geschenken fuhren wir dann ins Kinderdorf.
Das ganze Dorf hatte sich schon auf ihren Besuch vorbereitet. Der Direktor, sein Assistent, meine Betreuerin Anne und ich haben mit ihr Kaffee getrunken uns einen kleinen Rundgang durch das Kinderdorf gemacht. In jedem Haus wurden uns die leckersten Sachen angeboten, man muss hier wirklich lernen, nein zu sagen… Nach dem Mittagessen habe ich das Besuchskomitee erstmal sich selbst überlassen und die Listen eingesammelt, die ich am vorherigen Tag ausgeteilt hatte. Ich habe nämlich vor, nächste Woche mein erstes eigenes kleines Projekt zu starten. Aber mehr verrate ich an dieser Stelle noch nicht… :) Nachmittags werden wieder fleißig deutsche und englische Lieder geprobt für den Besuch der Paten aus D und CH morgen. Der Raum schön geschmückt, mit Fahnen, Blumen und Apfelbäumen (ok, da werd ich noch ein Foto nachreichen... :) ) Während der Probe hatte ich die nervenaufreibende Aufgabe, auf die Kinder aufzupassen, die grade nicht dran sind. Die lärmen dann nämlich immer im Gang rum, klettern auf die Heizungen, schlagen sich usw. ABER dann habe ich gesagt: „Lasst uns jetzt mal eine Minute still sein.“ Und tatsächlich- eine ganze Minute (ich habe es den Kindern auf meiner Uhr gezeigt) mucksmäuschen still. UND noch besser: dann wollten sie unbedingt probieren, ob sie es auch zwei Minuten schaffen, und dann drei und dann fünf. Der Traum eines jeden Pädagogen.
Anschließend hab ich mich mit Arturas noch über den Deutsch-Unterricht unterhalten, den er mit den Kindern ab nächster Woche starten will. Da bin ich auch sehr gespannt drauf.
Mit einem Jungen namens Evaldas habe ich dann noch eine Runde Schach gespielt. Im Haus Nummer 2, wo ich immer Mittag esse, ist ein neues Kind eingezogen, das ich heute auch begrüßt habe. Aber das Beste heute war, dass ich spontan zu einer Geburtstagsfeier eingeladen worden bin. In Haus 7 haben 3 Kinder Geburtstag gefeiert. Es gab eine Menge leckerer Sachen, Kuchen, Bonbons, Früchte, Kartoffelsalat, Reis, Wackelpudding, Limonade… An dieser Stelle herzliche Grüße an Dr. med. Enno Hering, meinen Zahnarzt: nach diesem FSJ brauch ich ein neues Gebiss (Tee mit „wenig Zucker“ heißt hier: „zwei Esslöffel“)… ;) Auch lustige Spiele haben wir gespielt, z.B. das Apfelspiel. Dabei gibt man sich einen Apfel, der an einem Faden befestigt ist, im Kreis herum weiter, und wenn die Musik ausgeht, muss der, der den Apfel gerade hat, versuchen, selbigen freischwebend ohne Hände zu essen… Die Feier war jedenfalls sehr schön. Nur leider hat mir ein Mädchen aus Versehen einen Stuhl auf den Finger gestellt. Den Finger hatte ich mir in Deutschland schon mal gebrochen, und da war eine Titanplatte reinoperiert, die sich jetzt (so fühlt es sich zumindest an bzw. sieht es aus) leicht verschoben/verbogen hat. Naja, wir werden morgen mal die Paten Paten sein lassen und in aller Ruhe zum Arzt gehen…
Jetzt (20.33 Uhr) sitze ich gerade mit meinem Laptop an der Bushaltestelle. Es ist eine laue, litauische Nacht, der Mond schaut voll und weiß zwischen den Wolken hervor. Ich habe zwar versucht, ein paar Autos anzuhalten, aber es ist schon dunkel, und da bleibt mir nichts anderes übrig als auf den letzten Bus zu warten…
Über eins kann ich mich nicht beklagen, wenn ich einmal im Himmel sein werde: ich hatte kein langweiliges Leben. :)

Dienstag, 21. September 2010

Allmählich eingelebt





Wie schnell das alles geht. Jetzt beginnt schon die zweite Woche meines Dienstes hier. Vieles ist hier ziemlich spontan. Gestern waren wir beim Einwohnermeldeamt und haben für mich eine Wohnerlaubnis für 1 Jahr beantragt. Die beiden Mädchen, die fortgelaufen waren, sind wieder da. Aber hier im Kinderdorf passiert jeden Tag was. Gerade beginnen Renovierungsarbeiten an einigen Häusern.
Die Sportgruppe, die Arturas aufbauen wollte, ist immer noch nicht gestartet, weil er den Schlüssel für den Raum nicht bekommt.
Ich habe mir ein altes Fahrrad gekauft, mit dem ich in der Stadt und in der Umgebung manchmal herumfahre. Hier gibt es übrigens viele alte Sachen aus Deutschland, die hier noch ein zweites Leben beginnen, z.B. Busse, Müllcontainer, gebrauchte Kleidung (z.B. Bundeswehruniformhemden für 40 Cent das Stück).
In einer Woche bekommt das Kinderdorf Besuch aus Deutschland. Verena Nacke, die Vorsitzende des Vereins "Kinderdörfer für Litauen e.V.", der unser Kinderdorf mit Sachspenden und finanziell unterstützt, sowie einige weitere Vereinsmitglieder aus Deutschland und der Schweiz werden erwartet. Deshalb üben wir mit den Kindern jetzt schon ein buntes Programm ein. Es sollen deutsche und englische Lieder gesungen werden. Das ist eine Menge Arbeit, aber den meisten Kindern macht es echt Spaß.
Ich bin gerade dabei, Materialien und Ideen für ein Deutschlernen-Nachmittagsangebot zu sammeln. Ab 29.9. soll der Unterricht beginnen, mit einer kleineren (5-9 Jahre) und einer jugendlichen Gruppe.
Die Sprache fällt mir noch ziemlich schwer, aber Gott sei Dank treffe ich mich jetzt regelmäßig mit einer litauischen Deutschlehrerin im Frühruhestand, bei der ich ziemlich gut lerne.
Die Leute hier sind wirklich sehr freundlich, nur etwas distanzierter. Man grüßt sich im Alltag wenig, das wirkt anfangs vielleicht etwas kalt. Aber wenn man den ersten Schritt auf die Menschen zugeht, wird man sehr häufig mit viel Freundlichkeit und Herzlichkeit belohnt.
Letzte Woche war super Wetter zum Drachensteigen, was wir auch ausgiebig genutzt haben, wie ihr auf den Fotos sehen könnt...

Donnerstag, 16. September 2010

Erste Tage







Endlich bin ich da. Nach gut 20 Stunden Zug- und Busfahrt bin ich wohlbehalten und etwas müde in Marijampolė angekommen. Der erste Schock schon auf der Hinfahrt: ich hatte aus Versehen den Autoschlüssel meiner Eltern mitgenommen. Man trifft aber auch interessante Leute auf so einer Reise: einen Bühnenbildner aus Berlin, eine Studentin auf dem Weg nach Australien, eine Gelegenheitsjobberin aus Bulgarien, einen Chemieprofessor aus Oxford… Ein bisschen Melancholie war aber auch dabei, als der Bus nachts so durch Polen gefahren ist, und man noch einmal daran denkt, wen und was man jetzt alles für ein Jahr zurücklässt…
In Marijampolė bin ich herzlich empfangen worden: Anne, eine Sozialarbeiterin aus Deutschland, die in dem Kinderdorf arbeitet, hat mich erstmal in meine Wohnung gebracht. Sehr gemütlich, renoviert, Küche, Bad und ein Wohnzimmer in einem Plattenbau. Die Stadt selber ist überschaubar, viel grün, aber sehr sympathisch. Meine neue Adresse: Matthias Bellmann, Kauno gatvė 48 - 66, 68001 Marijampolė, Litauen/Lietuva. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir mal einen Brief oder eine Postkarte schreiben wollt! (Für Päckchen oder Pakete ist aber eher die Adresse des Kinderdorfes geeignet: Marijampolės vaiko tėviškės namai, Avikilai km, Liudvinavo sen., 69168 Marijampolė, Litauen/Lietuva).
Die ersten Tage sind natürlich noch etwas spontan und chaotisch. Zuerst habe ich Arturas kennengelernt, einen Sozialarbeiter, der auch im Kinderdorf wohnt und den ich in den letzten Tagen oft bei der Hausaufgabenbetreuung und beim Nachmittagsprogramm begleitet habe. Dann wurde ich dem Direktor vorgestellt, ein sehr netter und offener, aber durchaus verantwortungsbewusster Mensch, immer im Anzug. Er wohnt mit seiner Familie in einem Haus neben dem Kinderdorf. Er meint, dass ich super in das Kinderdorf passe, weil ich gern Rad fahre und schwimme und einen Führerschein habe. Ich könne immer sonnabends mit dem Kleinbus des Kinderdorfes und 8 Kindern in die Stadt ins Schwimmbad fahren.
Das Kinderdorf selber ist idyllisch gelegen, in den Häusern leben ungefähr immer 10 Kinder mit einer Pflegemutter. Jedes Haus hat einen Garten, in dem die Kinder auch arbeiten (in den letzten Tagen war Kartoffelernte), es gibt aber auch einen Sportplatz, Basketballkörbe und Spielgeräte. Doch auch wenn das von außen alles ganz nett aussieht, darf man nicht vergessen, dass die Kinder aus schwierigen Verhältnissen stammen. Viele sind hyperaktiv, einige lerneingeschränkt. Am ersten Tag wurde ich auch gleich in alle 14 Häuser geführt, um mich vorzustellen. So viele Kinder auf einmal- ich konnte mir keinen einzigen Namen merken, aber die Kinder, vor allem die jüngeren, haben mich nach anfänglicher Zurückhaltung schon richtig liebgewonnen. Mein Mittagessen bekomme ich übrigens auch immer in einem der Häuser. Das litauische Esse ist sehr lecker, aber abnehmen dürfte hier extrem schwerfallen… :)
Als ich zu Anne ins Büro zurückkam, war sie gerade damit beschäftigt, Bilder auszudrucken. Ich fragte, ob die für die Paten seien. Nein, für die Polizei. Zwei Mädchen sind fortgelaufen. Offenbar ist das auch nicht das erste Mal. Anne ermahnt mich auch, alle Türen immer zuzuschließen und keine Wertsachen irgendwo liegenzulassen, da einige Kinder doch auch gern mal etwas nehmen, was ihnen nicht gehört.
Nachmittags habe ich mit Arturas noch einigen Kindern bei den Hausaufgaben geholfen, in einem Keller haben wir einige verstaubte Kraftsportgeräte entdeckt, die Arturas gern wieder für eine Sportgruppe nutzen möchte. Nach Hause bin ich mit Anne und zwei anderen Mitarbeiterinnen gefahren. Die mussten dann auch erstmal anhalten, um eine Raucherpause zu machen. Im Kinderdorf ist nämlich Rauchverbot. Da das Kinderdorf etwas außerhalb der Stadt liegt, lasse ich mich entweder von anderen Mitarbeitern mitnehmen oder fahre mit dem Bus. Einmal bin ich auch schon per Anhalter gefahren, in Litauen auch sehr beliebt.
So, das reicht vielleicht fürs erste. Ich könnte noch einiges schreiben, aber ich bin auch ganz schön müde von den ersten Tagen…

Dienstag, 31. August 2010

Jetzt geht´s los!


Morgen beginnt mein Freiwilligendienst! Ich fahre vom 1.9.-4.9. mit anderen Freiwilligen aus ganz Deutschland auf ein Seminar nach München, wo wir die Renovabis-Stiftung kennenlernen werden, die meine und andere FSJ-Stellen in Osteuropa mitfinanziert.

Anschließend geht es zurück nach Dresden, wo wir unser eigentliches Startseminar von der Initiative Christen für Europa e.V. haben werden. Und am 12.September ist es dann soweit, ich breche mit dem Bus von Berlin aus auf, und werde am 13.September in Litauen ankommen... (Die Fahrtkosten werden übrigens vom ICE erstattet.)

Viele liebe Grüße an alle! Meine neue Adresse werde ich euch auch noch mitteilen, sobald ich in Litauen bin, und von meinen ersten Eindrücken berichte...

Samstag, 28. August 2010

Neuigkeiten aus dem Kinderdorf

Ein erlebnisreicher Sommer liegt hinter den Kindern, die ich in wenigen Wochen kennenlernen werde.
Viele Kinderdorf-Familien verbrachten eine Woche an der Ostsee. Anne, eine deutsche Sozialarbeiterin, die für mich während meines FSJ Ansprechpartner ist, nahm mit 6 Kindern an einer internationalen christlichen Jugendbegegnung in Deutschland teil. Der Direktor des Kinderdorfes, Herr Sulinskas, unternahm mit einigen Jugendlichen eine Fahrradreise durch Polen.
Aber auch für die Kinder, die nicht auf Reisen waren, gab es ein buntes Ferienprogramm. Ein Schulausklangsfest, eine Nachtwanderung, Ausflüge, Fahrradtouren, das Schwimmen in nahegelegenen Seen und andere sportliche Aktivitäten waren Höhepunkte. Einige Kinder besuchten in den Ferien auch ihre Verwandten.

Mittwoch, 25. August 2010

Litauen- erste Impressionen










Im August hatte ich im Rahmen einer Jugendbegegnung der Aktion West-Ost zum ersten Mal Gelegenheit, das wunderschöne Land kennenzulernen, in dem ich für ein Jahr leben und arbeiten werde.
Litauen ist ein Land der Kontraste. Früher Sowjetunion, heute EU, verschlafene Dörfer, pulsierende Städte, bezaubernde Landschaft, soziale Ungleichheit.
Die Leute, die wir getroffen haben, waren alle sehr nett. Das Essen war immer reichlich, ziemlich fettig und sehr fleischhaltig. :) Besonders originell die Kombination Käse mit Honig, aber auch Šaltibarščiai (eine kalte Rote-Beete-Suppe) war sehr lecker.
Unsere Reise führte uns von Klaipėda (Memel) an der Ostsee durch das Land bis nach Vilnius (Wilna). Durch die Stadt Marijampolė, wo ich wohnen werde, sind wir leider nur mit dem Bus durchgefahren.

Sonntag, 6. Juni 2010

Lass uns eine Welt erträumen...

Lass uns eine Welt erträumen, die den Krieg nicht kennt,
wo man Menschen aller Länder seine Freunde nennt.
Wo man alles Brot der Erde teilt mit jedem Kind,
wo die letzten Diktatoren Zirkusreiter sind.

Lass uns eine Welt erträumen, wo man singt und lacht,
wo die Traurigkeit der andern selbst uns traurig macht.
Wo man trotz der fremden Sprache sich so gut versteht,
dass man alle schweren Wege miteinander geht.

Lass uns eine Welt erträumen, wo man unentwegt
Pflanzen, Tiere, Luft und Wasser wie einen Garten pflegt.
Wo man um die ganze Erde Liebesbriefe schreibt
und dann lass uns jetzt beginnen, dass es kein Traum bleibt.

(Gerhard Schöne)

Sveiki atvykę

Mein Name ist Matthias und arbeitete von 2010 bis 2011 im Kinderdorf "Vaiko Tėviškės Namai" in Marijampolė.

Ich danke der Initiative Christen für Europa e.V. , dem Verein "Kinderdörfer für Litauen e.V.", sowie meinen Freunden und meiner Familie für die Unterstützung während des Dienstes.